Schulen für Afrika

Interview mit Prof. Dr. Herbert Weber

Herbert Weber ist einer der wichtigsten deutschen Experten, wenn es um IT, Mathematik oder schlicht um die Bedeutung und Zukunft unserer Kommunikationstechnik geht. 1992 gründete Professor Weber das Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik ISST in Berlin, das er bis 2006 leitete - sein Fachgebiet: „Computergestützte Informationssysteme“. Aus der europäischen Lernkultur sind diese Systeme nicht mehr wegzudenken und entwickeln sich mit rasanter Geschwindigkeit. Wir haben mit Herbert Weber über Bildung gesprochen, deren Bedeutung und wie Bildungssysteme auf einem Kontinent wie Afrika gestaltet werden könnten.

Prof. Dr. Weber


Professor Weber, wenn Sie an Ihre Schulzeit denken - welches Bild haben Sie im Kopf?


Ich bin in den ersten vier Jahren in einer Dorfschule unterrichtet worden, bis meine Eltern entschieden haben, dass das wohl nicht die richtige Vorbereitung auf den Lebensweg sei. Von da an kenne ich überfüllte Klassen, zu einem guten Teil angelernte Lehrer, die aber sehr motiviert waren und uns viel beigebracht haben. Ich denke gerne an die Schulzeit zurück.

Was für ein Typ Schüler waren Sie?

Durchweg ein 2er-Schüler.

Haben Sie damals gern gelernt?

Das ist mir eigentlich zugeflogen. Erst ab der 11. oder 12. Klasse habe ich tatsächlich angefangen zu lernen. Wie wichtig Bildung ist, war mir nicht im umfassenden Sinne klar, vielmehr wusste ich, dass Bildung für mich bedeutet, dass ich den gesellschaftswissenschaftlichen Bereich aussparen muss. Alles andere war für mich wichtig. Zunächst wollte ich Ingenieur werden, doch es kam anders, und ich bin Mathematiker geworden.

In Afrika haben nach wie vor zu wenig Kinder Zugang zu Bildung. Welche Gefahren sehen Sie in dieser „Unterversorgung“ von Millionen von Menschen?


Der Begriff der Unterversorgung ist mir zu pauschal. Es gibt eine Versorgung auf niedrigem, eine auf mittlerem und eine auf höherem Niveau. Ich glaube, Afrika braucht zunächst und flächendeckend eine Bildungsversorgung auf einem relativ niedrigen Niveau, die auch hilft bei Fragen wie: Wie kann ich mit dem Land, das ich beackere, größtmögliche Erfolge erzielen? Wie kann ich Bewässerung sicherstellen? Wie kann ich einen Brunnen bauen?

Würde man Sie auffordern, eine Idee zu formulieren, die Bildung in Afrika zum Gegenstand hat - in welche Richtung würden Sie denken?


Es muss der Situation angemessen sein. Es muss einen „Mainstream“ in Sachen Bildung geben. Natürlich braucht Afrika auch Leute, die in die höchsten Qualifikationsstufen gelangen, aber nicht mit dem Ziel, dass sie nach Europa oder USA gehen. Es muss eine gute grundlegende Ausbildung geben, die aber auch umgebungsgerecht ist.

Als Gründer des Fraunhofer-Instituts für Software- und Systemtechnik bewegen Sie sich in komplexen Dimensionen - ist die Wurzel allen Fortschritts dennoch die Schiefertafel und ein Stück Kreide?

Die Schiefertafel ist natürlich zu simpel. Papierversorgung muss gewährleistet sein, dazu all das, was man medientechnisch für sinnvoll erachtet. Es ist zum Beispiel wichtig, eine Folie benutzen zu können. Wir machen das kaum noch, weil wir alles über den digitalen Weg bringen, aber Folien haben einen sehr spielerischen Charakter, damit kann man als Kind prima umgehen. Dazu gehört dann natürlich auch ein Overhead-Projektor Man muss nicht immer nach ganz weit schießen, es gibt auch so interessante und motivierende Hilfsmittel.

Vor Jahren wurde in einem afrikanischen Dorf ein Computer an einer Hauswand installiert und ohne Erklärung den Kindern zum Gebrauch überlassen - welche Chancen haben solche ungewöhnlichen Ansätze in Ihren Augen?

Durchweg gute Chancen! Kinder sind unglaublich neugierig, sie sind explorierend unterwegs. Sie lernen durch Probieren. So etwas bietet viele Chancen, davon bin ich überzeugt.

Nehmen wir an, Sie hätten eine Stunde Unterricht zu füllen an einer afrikanischen Schule -  was wäre das Thema ihrer Unterrichtsstunde?

Ich würde sagen, Mathematik wäre mein Thema. Ich würde an meine Wurzeln zurückgehen und sagen: Es hilft an vielen anderen Stellen im Leben, Mathematik zu beherrschen. Bis zu einem gewissen Grad natürlich, das ist klar, aber ich denke, Mathematik ist eine Voraussetzung für so, so viele Dinge im heutigen zivilisierten Leben.

News & Infos

September 2011 "Schulen für Afrika" wirkt

Schon 5.5 Millionen Kinder haben dank der Kampagne einen guten Platz zum Lernen bekommen. Das ist die tolle Bilanz der ersten fünf Jahre. Mehr

Projektpartner

  • Hamburger Gesellschaft
  • Nelson Mandela Foundation
  • UNICEF

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