Schulen für Afrika

„Bildung macht selbstbewusst“

Interview mit Tilo Braune - Geschäftsführer der Peter Krämer Stiftung

Tilo Braune - Geschäftsführer der Hamburger Gesellschaft zur Förderung der Demokratie und des VölkerrechtsPolitische Mitbestimmung und das Recht auf Bildung liegen Tilo Braune am Herzen. Vor allem Bildung ist der Schlüssel für Entwicklung und Zukunft, das ist sein Credo. Dabei ist es eigentlich das Thema Gesundheit, was Braune von Haus aus umtreibt. Der Geschäftsführer der Peter Krämer Stiftung des engagierten Reeders Peter Krämer ist eigentlich Mediziner. Diese Tätigkeit führte Braune 1994 während der Cholera-Epidemie in den Kongo, wo er in den Flüchtlingslagern half. Aber auch in der Politik ist Tilo Braune zuhause, besetzte Positionen als Landtags- und Bundestagsabgeordneter der SPD sowie als Staatssekretär der Bundesregierung.

Seit 2007 verbindet Braune als Geschäftsführer der Peter Krämer Stiftung die Themen, die ihm wichtig sind. Für die wichtigste Kampagne der Gesellschaft - „Schulen für Afrika“ - ist Tilo Braune auch 2010 nach Afrika gereist. Er hat mit uns über seine Eindrücke gesprochen.

 

Fünf Fragen an Tilo Braune

Sie waren kurz vor der WM in Südafrika unterwegs. Wie haben Sie vor Ort den Erfolg von „Schulen für Afrika“ erlebt?

Wir haben unter anderem in Soweto, dem South West Township von Johannesburg, die Phefeni Senior Secondary School besucht. Ich war beeindruckt von der Qualität der Lehrinhalte und auch von der Ausstattung der Schule. Wir konnten erleben, dass unsere Spendenmittel sehr gut eingesetzt werden und bei den jungen Menschen ankommen. Die Ausstattung ist das eine, aber vor allem der Bildungshunger der jungen Leute hat mich begeistert. Das intellektuelle Niveau und der Wille der jungen Leute, sich mit Fragen wie Berufsperspektiven oder AIDS auseinanderzusetzen, haben mich überrascht. In den Social Clubs außerhalb des Unterrichts wird zu verschiedenen Themen diskutiert - von sexueller Gewalt bis hin zu Teenager-Schwangerschaften. Die Schüler sind ungemein wissbegierig. Und es ist sehr viel Stolz zu spüren – über das Erreichte und die neuen Möglichkeiten, die sich durch Schule und Clubs bieten.

 
Ein zentrales Thema ist Mädchen und Bildung. Nach wie vor gehen weniger Mädchen als Jungen im südlichen Afrika in die Schule. Wie haben Sie die Mädchen in der Schule wahrgenommen?

Ich hatte entgegen der allgemeinen Situation, in der die Mädchen immer noch benachteiligt sind, an dieser Schule das Gefühl, dass die Mädchen dort die Elite sind. Sie bilden im Social Club die Mehrheit, sind besonders initiativ und interessiert. Auch die Sprecherin ist ein Mädchen, was ja nicht gerade der klassischen afrikanischen Rollenverteilung entspricht. Ich habe das als sehr erfrischend wahrgenommen, und es scheint auch Beweis dafür, dass durch Bildung neue Rollenverständnisse entstehen und Selbstbewusstsein erwächst. Auch die Lehrerinnen haben eine ganz klare Linie. Es sind starke Persönlichkeiten, die sich ohne Probleme auch mal gegen quirlige halbwüchsige Jungs durchsetzen.


Was ist Ihrer Meinung nach in der von Ihnen besuchten Region noch zu tun?

Die Situation um und in Johannesburg ist nicht ganz typisch, man darf sich von solch positiven Eindrücken nicht täuschen lassen. Es gibt vor allem in ländlichen Regionen noch einen Riesenbedarf an klassischen Grundschulen. Südafrika im Gesamten gesehen hat bereits ein höheres Level erreicht als etwa Malawi, aber auf dem Land gibt es überall in Afrika einen immensen Entwicklungsbedarf. Soweto ist mittlerweile sehr gut entwickelt, aber nur 50 km weiter versinken Townships im Schlamm, und es gibt nur völlig unzureichende Beschulungsmöglichkeiten. UNICEF eruiert mit seinem Netzwerk den Bedarf vor Ort und setzt die Spendenmittel gezielt ein.


Was hat die WM in den Schulen bei den Kindern ausgelöst?

Überall war ein großer Stolz zu spüren. Vor allem auch darüber, dass all die Pessimisten, die im Vorfeld Bedenken geäußert hatten, Lügen gestraft wurden. Die Afrikaner haben gezeigt: Wir schaffen das, wenn man uns nur lässt! Und sie sind mit einem großen Selbstbewusstsein daraus hervor gegangen. Jetzt hoffe ich, dass dieses Erfolgserlebnis auch nachhaltig ist. In den Schulen sieht man eine ähnliche Entwicklung beim Lernen. Wer in die Schule geht, ist ehrgeizig und will seine Zukunft selbst in die Hand nehmen.

 
Sie sind Geschäftsführer der Peter Krämer Stiftung (ehemals "Hamburger Gesellschaft zur Förderung der Demokratie und des Völkerrechts"), die das Projekt „Schulen für Afrika“ initiiert hat. Welchen Stellenwert hat das Projekt in der Gesellschaft, und was haben Sie bis heute erreicht?

Unsere Gesellschaft hat zwei Standbeine: Einmal den Verein, in dem es um politische Willens- und Meinungsbildung geht, und die Stiftung. Dort ist „Schulen für Afrika“ unser größtes Projekt. Was unsere kleine Stiftung in den letzten 5 Jahren geschafft hat, hat viele beeindruckt - das hören wir immer wieder. Zum Millenniumsgipfel im September 2010 geht es nun darum, den politischen Druck auf die Regierungen der Industriestaaten massiv zu erhöhen und aufrechtzuerhalten. Sonst ist das Erreichen der Millenniumsziele 2015 kaum möglich. Alle noch so erfolgreichen NGOs allein können das Problem nicht lösen. Wir müssen mit vereinten Kräften agieren, um die reichen Industriestaaten zu drängen, ihren Versprechungen nach Hilfe auch Taten folgen zu lassen Mit UNICEF und der Nelson Mandela Stiftung haben wir zwei wichtige Partner zur politischen Willensbekundung und zur Umsetzung unserer humanitären Projekte.

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News & Infos

September 2011 "Schulen für Afrika" wirkt

Schon 5.5 Millionen Kinder haben dank der Kampagne einen guten Platz zum Lernen bekommen. Das ist die tolle Bilanz der ersten fünf Jahre. Mehr

Projektpartner

  • Hamburger Gesellschaft
  • Nelson Mandela Foundation
  • UNICEF

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