Interview mit Steffi Jones
Steffi Jones ist Präsidentin des Organisationskomitees für die FIFA Frauen-WM 2011. Die Kampagne "Schulen für Afrika" unterstützt sie vor allem zum Thema Mädchenbildung. In einem Interview mit UNICEF erzählt sie von ihrer Leidenschaft zum Fußball und ihrem sozialen Engagement.
Sie haben bereits mit vier Jahren begonnen, Fußball zu spielen. Ist Fußball Ihr Leben?
Der Fußball stand, so lange ich denken kann, im Mittelpunkt meines Lebens. 31 Jahre lange habe ich aktiv gespielt und in dieser Zeit haben mich der Fußball und sein Umfeld geprägt. Ich bin sehr glücklich, auch in meiner jetzigen Funktion als Präsidentin des Organisationskomitees für die FIFA Frauen-WM 2011 weiterhin Teil der Fußballfamilie sein zu dürfen, insofern spielt der Fußball auch heute immer noch eine große Rolle in meinem Leben.
Ihre Kindheit war von außen betrachtet nicht leicht – hat der Fußball Sie in diesen jungen Jahren besonders beeinflusst?
Ich bin an einem sozialen Brennpunkt in Frankfurt groß geworden, ohne Vater. Dort war die Kriminalität sehr hoch. Meine Mutter hatte immer Angst, dass wir da hineingeraten. Ich habe schon mit vier Jahren mit dem Fußball angefangen, so bin ich erst gar nicht in diese Szene gekommen. Bei meinem älteren Bruder war das anders. Er ist auf die schiefe Bahn geraten und wurde drogenabhängig. Ich war da 13 und musste sehen, dass alles funktioniert bei uns zuhause. Meine Mutter hat Tag und Nacht gearbeitet. Das hat mich geprägt. Der Fußball und meine Mannschaft, die haben mir immer viel Kraft gegeben. Wenn ich mit Jugendlichen zusammensitze, die keine Perspektive für sich sehen, ist immer die erste Frage: Wie viel Geld hast Du? Ich sage dann immer: Das Geld ist überhaupt nicht wichtig. Es gibt viel Wichtigeres, nämlich die Freundschaften, die Zuneigung, Liebe. Und dass man sich auf andere verlassen kann und nicht alleine ist. Der Fußball kann einem das geben. Der Fußball war immer ein wichtiger Ausgleich zum Alltag für mich.
Spielen Ihre eigenen Erfahrungen eine Rolle für Ihr soziales Engagement?
Durch meine eigene Lebensgeschichte kann ich mich gut in Menschen hinein versetzen, die mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben wie ich damals. Ich bin sehr dankbar, dass ich es mit Hilfe des Fußballs und vieler wunderbarer Menschen geschafft habe, ein anderes Leben zu führen. Heute möchte ich davon etwas zurückgeben und versuche mit meinem Engagement vor allem Kindern und Jugendlichen, die benachteiligt sind und denen es nicht so gut geht, zu helfen.
Was raten Sie jungen Mädchen, die in einer schwierigen Lebenssituation sind?
Ich finde es wichtig, dass gerade junge Menschen, egal ob Mädchen oder Jungs, ein eigenes Selbstwertgefühl entwickeln und Selbstvertrauen erlangen, denn jeder ist ein toller Mensch mit individuellen Stärken und Schwächen. Von Rückschlägen sollte man sich nicht aus der Bahn werfen lassen. Aber man sollte sich realistische Ziele setzen, an denen man nicht zerbricht.
Was wünschen Sie sich für die Fußball-WM 2011?
Die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2011 kann einen großen Beitrag zur Förderung des Frauenfußballs leisten, da man die Chance hat, sich auf einer außergewöhnlichen großen Bühne zu präsentieren. Zudem werden die TV Bilder rund um die Welt gehen, was wiederum viele Mädchen anziehen wird, die von der tollen Atmosphäre und den Top-Stars begeistert sein werden. Ich glaube, dass die Frauen-WM in Deutschland ein Meilenstein in der Entwicklung des Frauenfußballs weltweit sein wird. Es ist wichtig, dass die Mannschaft weiterhin so positiv auftritt und Werbung für den gesamten Mädchen- und Frauenfußball macht. Darüber hinaus möchten wir Deutschland nach 2006 wiederum als weltoffenen und sympathischen Gastgeber für die Teams und die vielen Gäste präsentieren. Ich wünsche mir, dass unsere tollen WM-Arenen ausverkauft sein werden und dort bei allen Spielen eine begeisternde Atmosphäre herrscht. Diese WM soll für alle ein einmaliges Erlebnis werden. Und als Krönung wünsche ich mir natürlich den Titelgewinn für unsere deutsche Mannschaft!



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