In der Schule
Gestern Abend in Ouagadougou gelandet. Heute vier Stunden Autofahrt nach Bobo-Dioulasso, die zweitgrößte Stadt in Burkina Faso. Haben uns dort die Sarfalao-Schule etwas außerhalb von Bobo angesehen. Erster Schock: 150 Schüler in einem Klassenzimmer! Die Kleinsten sitzen zu fünft an Bänken, die normalerweise für drei Kinder sind. Das ist Normalzustand, seitdem viele ins Nachbarland Elfenbeinküste übersiedelte Burkinaer in ihre Heimat zurückkehren mussten - vertrieben durch bewaffnete Kämpfe dort. Die Schule ist noch neu, wurde 2005 mit Hilfe von UNICEF-Spenden gebaut und eröffnet.
UNICEF Patin Eva Padberg schreibt ein Reisetagbuch über ihren Besuch in Burkina Faso.
Es gibt sechs Klassenzimmer, einen Kindergarten, einen großen Platz, der zum Fußballspielen und Herumtollen dient, Toiletten und einen Brunnen für frisches Wasser, um den sich die Frauen vom Dorf sehr verantwortungsvoll kümmern.
Die Frauen halten hier alles auf ihre sehr subtile, unaufdringliche Art am Laufen. Man erklärt uns: Es gibt ein Eltern- und ein Mütterkomitee. Im Elternkomitee sind die Männer. Sind Mütter keine Eltern...? Klingt für unsere Ohren sehr absurd, aber Frauen spielen in Burkina Faso eine sehr untergeordnete Rolle. Man erklärt uns, wenn sich das Elternkomitee zu einer Besprechung trifft, würde es keinen Sinn machen, dass Frauen anwesend sind, da sie nicht vor Männern das Wort ergreifen.
Dasselbe sehen wir auch im Unterricht. Besonders bei den Jüngeren. Die Mädchen melden sich zwar, wenn sie etwas gefragt werden, lässt man sie aber antworten, verstummen sie, sind die plötzliche Aufmerksamkeit und die Tatsache, dass jemand ihre Meinung hören will, nicht gewohnt. Bei den Älteren, bin ich erleichtert zu sehen, sieht das schon etwas anders aus. Sie sind selbstbewusster und stolz darauf, ihre Meinung frei zu äußern. Alice Kaboré, 14, und Yasmis Seza, 16, zum Beispiel erzählen uns ihre Wünsche für die Schule. Sie hätten gern mehr Bücher, Strom, einen Zaun und ein neues Schulgebäude, damit auch ihre Freunde im Dorf die Schule besuchen können. Dass sie so offen und selbstbewusst mit uns sprechen, ist ein großer Schritt für Frauen und Mädchen in einer Gesellschaft wie dieser.

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