Goldmine
Etwa eine Stunde östlich von Ouagadougou liegen die Goldminen der Region Zorgho. Dort konnte ich mir heute ein Bild davon machen, wie die Kinder hier leben und arbeiten. Nach einer abenteuerlichen Fahrt auf einer für meine Augen nicht zu erkennenden Straße, durch ausgetrocknete Flussbetten und an kleinen Lehmhaussiedlungen vorbei, erreichen wir ein Dorf, das nur aus Strohhütten und vielen Verkaufsständen besteht. Dieser Ort existiert erst seit drei Jahren.
Etwa eine Stunde östlich von Ouagadougou liegen die Goldminen der Region Zorgho.
Familien sind mit ihren Kindern hierher gekommen um nach Gold zu suchen und haben sich ein kleines Zuhause aufgebaut. Das Leben in Zorgho ist hart. Es gibt noch keinen Frischwasser-brunnen. Deshalb muss das Wasser mit Hilfe von Eseln aus 5 Kilometer Entfernung geholt werden. Und um Gold zu waschen, braucht man viel Wasser.
Beserra, 14 und Emanuel, 13 zeigen uns ihren Arbeitsplatz ein paar hundert Meter entfernt von der Siedlung. Dort waschen die Jungen den ganzen Tag lang das aus den Schächten hochgeförderte Geröll, um Gold zu finden. Dann spülen sie die gefilterte Erde mit bloßen Händen in einem Quecksilber-Bad aus, um das Gold zu binden. Ihre Hände sind durch die schwere Arbeit stark angegriffen, deshalb behandeln sie sie mit einer Hennasalbe. Viele der Jungen hier sind ohne ihre Familien in die Goldminen gekommen. Einige haben noch einen großen Bruder dabei. Sie sind auf sich allein gestellt. Die meisten von ihnen waren nie in der Schule oder haben wieder abgebrochen, um Geld zu verdienen. Wenn sie Glück haben, finden sie pro Tag ein bis zwei Gramm Gold, manchmal mehr, manchmal gar nichts. Dafür müssen sie am Tag vier große Fässer voll Geröll waschen. Im Monat verdient ein Junge ca. 15 Euro...dafür verliert er seine Kindheit und seine Gesundheit.
Kinder und Jugendliche werden in die Arbeitsabläufe mit eingebunden
Die Kinder und Jugendlichen werden sobald wie möglich in die Arbeitsabläufe mit eingebunden. Es gibt einen Abschnitt, in dem zu Steinmühlen umfunktionierte Getreidemühlen betrieben werden. Der Steinstaub liegt über allem und setzt sich in den Augen und den Atemwegen ab. Frauen und Mädchen klopfen Steine in einer Art Mörser klein. Die Mine funktioniert wie eine große Maschine, die niemals stoppt. Die ganz Kleinen laufen dazwischen herum, atmen den Steinstaub ein, die Quecksilberdämpfe oder probieren sich schon spielerisch am Steine klopfen, lecken Steine an, um zu sehen, ob Gold darin ist. Diese Dinge haben sie sich bei ihren Eltern abgeguckt. Sie kennen kein anderes Leben, sind darauf vorprogrammiert, so weiter zu machen wie es immer schon war.
Doch es liegt Veränderung, Verbesserung in der Luft. Seit vier Monaten gibt es hier ein UNICEF-Projekt, das die Kinder aus den Goldminen rausholt. Jungen wie Beserra und Emanuel können hier lesen und schreiben lernen und eine Ausbildung machen, zum Beispiel zum Motorradmechaniker, Tischler oder Schneider. Sie sind dann nicht mehr auf die Willkür der Goldsuche angewiesen. Die Eltern sind dankbar, dass ihre Kinder nun ein besseres Leben beginnen können. Ein kindgerechtes Leben ohne Ausbeutung. Ihr zaghaftes Lächeln wird mir noch lange vor Augen bleiben und sich hoffentlich bald in ein lautes Lachen verwandeln.

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