Äthiopien
Sauberes Wasser für ein gutes Leben
Refte Teka ist 13 Jahre alt, sie geht in die sechste Klasse und ist schon eine der besten an ihrer Schule. Sie lebt mit ihrem Bruder zusammen. Weil sie lernen will, hat sie ihre Eltern verlassen. Denn dort, wo sie aufgewachsen ist, gibt es keine Schule. Das ist trauriger Standard in vielen ländlichen Gebieten Äthiopiens. Deshalb gehen dort 2,6 Millionen Kinder überhaupt nicht zur Schule. Die Analphabetenrate des Landes im Nordosten Afrikas liegt bei fast 50 Prozent.
Energisch erzählt Refte von ihrem Lebenstraum: „Ich möchte Ärztin werden. So viele meiner Freunde sind krank geworden. Und ich wünsche mir, dass ich später allen helfen kann.“ Die Schülerin kennt bereits einen Auslöser dieses Krankheitsproblems. Es ist der chronische Mangel an sicherem Trinkwasser. Und sie muss täglich damit leben.
Weil die nächstgelegene Wasserquelle weit entfernt ist, bricht die Dreizehnjährige schon vor Sonnenaufgang dorthin auf. Trotzdem verpasst sie dadurch an mindestens drei Wochentagen ihre ersten Unterrichtsstunden. Und wenn sie dann endlich in der Schule lernen will, tut ihr manchmal der Kopf weh. Sie hat zwar gelernt, den Wasserkanister sicher auf ihrem Kopf zu balancieren, doch sein Gewicht macht ihr oft zu schaffen. „Aber das ist trotzdem nicht so schlimm wie die anderen Probleme an meiner Schule“, sagt Refte tapfer.
Dort gibt es kein Trinkwasser. Auch das ist Alltag in Äthiopien: In einem der trockensten Länder der Welt haben 80 Prozent der Menschen nicht genügend sauberes Wasser zum Leben. Viele Kinder schlafen in der Schule vor Erschöpfung ein. Andere wiederum verlassen verfrüht den Unterricht, um für den Familienhaushalt Wasser zu holen.
Aber selbst dort, wo es Wasser gibt, sind die Quellen oft verschmutzt oder ausgetrocknet. Und viele größere Brunnen liegen brach, weil es an Ersatzteilen fehlt oder sich niemand mit der Wartung auskennt. Das Problem geht weiter: Auf dem Land hat nicht einmal jeder zwanzigste Äthiopier Zugang zu einer Latrine. Refte liebt ihre Schule, aber vor der Toilette ekelt sie sich jeden Tag. „Wir haben viel zu wenig davon und kaum Wasser“, klagt sie. „Und weil die immer schmutzig sind, gehen viele von uns einfach auf den Schulhof oder zum Spielplatz. Das ist natürlich nicht richtig, und die Bakterien machen uns dann krank.“
Refte weiß, dass all dies das Lernen schwer macht. Trotzdem versucht sie oft, ihre Klassenkameraden mutig mitzuziehen. „Ich sage ihnen immer, sie sollen jeden Tag in die Bücherei gehen und sich anstrengen in der Schule. Denn wenn wir gut sind, haben wir vielleicht irgendwann all diese Sorgen nicht mehr.“
UNICEF verhilft besonders dem trockenen Norden des Landes zu frischem Wasser. Dort werden Brunnen gebaut, die auch in der Dürrezeit eine sichere Versorgungsquelle bleiben. Wartungsteams werden geschult, und besonders Frauen werden für die verantwortungsvolle Aufgabe der gerechten Wasserverteilung interessiert. 30 Schulen bekommen neue Latrinen, weitere 11 endlich einen Wasseranschluss. Gemeinsam mit Schülern und ihren Familien will UNICEF in neu zu gründenden „Wasserclubs“ das Wissen über Hygiene vertiefen.
Reftes größter Wunsch – an der Schule Wasser zu haben – könnte so bald erfüllt werden. Dann wird ihr und ihren Freunden das Lernen etwas leichterfallen.
Quelle: UNICEF
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