Madagaskar - Hoffnung für Tausende von Kindern
In Madagaskar gehen rund 420.000 Kinder nicht zur Schule. Besonders betroffen sind die Provinzen Anosy und Androy, die im Süden der Insel liegen. Dort gibt es in vielen Dörfern noch keine Schule, und für viele Kinder ist der Weg in die nächste Schule viel zu weit. Die UNICEF-Mitarbeiterin Noro hat die Kinder in der Region besucht.
Mit einem Platz in der Schule erfüllt sich für viele Kinder in Madagaskar ein Traum
Noros erstes Ziel ist Zafimahavary. 1.500 Menschen leben in diesem Dorf, darunter die achtjährige Christolline. Das Mädchen hat noch nie eine Schule von innen gesehen. "Meine Mutter will mich nicht zur Schule schicken, weil sie zu weit weg ist. Und sie möchte, dass ich auf meine kleinen Geschwister aufpasse, wenn sie auf dem Feld arbeitet", sagt Christolline.
Ihre Freundin Elvine ist schon zehn Jahre alt und hat die Schule abgebrochen. Sie konnte die täglich zehn Kilometer Schulweg nicht schnell genug laufen und verlor oft den Anschluss an die anderen Kinder. Gerade nach Einbruch der Dämmerung hatte Elvire dann Angst, allein von der Schule zurückzugehen – irgendwann blieb sie dann ganz zu Hause. "Mein großer Traum war, Lehrerin zu werden", sagt sie. "Aber jetzt ist es zu spät."
Ein Fluss versperrt den Weg
300 Kinder in Zafimahavary sind im Grundschulalter. Auf ihrem Schulweg müssen die Kinder einen Fluss überqueren. Eine Brücke gibt es nicht. In der Regenzeit, wenn der Wasserpegel steigt, müssen alle Kinder zu Hause bleiben.
Die Eltern haben die Schulbehörde mehrmals gebeten, in ihrem Dorf endlich eine Schule zu bauen. Sie haben bereits ein Grundstück ausgesucht und wollen tatkräftig mithelfen, auch Sand und Wasser wollen sie beisteuern. Doch die Entscheidung lässt auf sich warten – jetzt bauen die Dorfbewohner erst einmal an einer Fußgängerbrücke, die alle sicher über den Fluss trägt.
Auf der Straße vor dem Dorf entdeckt die UNICEF-Mitarbeiterin drei Jungen, die eine Herde Zebus und Ziegen vor sich hertreibt. Warum sind sie nicht in der Schule? "Wir gehen nicht zur Schule, weil wir arbeiten. Wir hüten die Tiere", erklärt der Älteste des Trios stolz. 10.000 Ariary (etwa 1,50 Euro) bekommt er dafür im Monat. Die Eltern wollen, dass die Jungen arbeiten: "Sie sagen, die Schule ist zu weit entfernt vom Dorf und dass wir sowieso nichts lernen."
Der Weg zur Schule ist zu weit
Weiter geht es nach Ambovombe-Androy, dem südlichsten und ärmsten Distrikt der Insel. Hier liegt Tsimievo, eine Gemeinde, die ebenfalls keine Schule besitzt. Die nächste ist acht Kilometer entfernt. Nur wenige Kinder können diese Schule besuchen; sie haben das Glück, dort Verwandte zu haben, bei denen sie übernachten können.
400 Kinder im Schulalter leben in Tsimievo. Die meisten Eltern wünschen sich Unterricht für ihre Kinder, und der Dorfälteste hat schon ein Grundstück bereitgestellt. "Ich bin wirklich traurig und mache mir Sorgen um die Zukunft der Kinder," sagt er. "Alle sind bereit, sich zu engagieren, mit Sand und Spaten, sie würden Wasser holen und mitbauen, wenn wir Partner hätten, die uns unterstützen. Denn eine Schule wünschen wir uns sehr, sowohl die Eltern als auch die Kinder." "Wir würden uns sogar an der Bezahlung der Lehrer beteiligen", ergänzt eine Mutter.
Die Schule ist zu klein
Das nächste Ziel der UNICEF-Mitarbeiterin ist die Grundschule in Ankilimanitsy. Hier gibt es nur zwei Klassen: 102 Schüler besuchen die erste, und 30 die zweite. Mit nur einem einzigen Lehrer und einem engen Klassenraum kann die Schule nicht mehr als zwei Klassen einrichten. Der zwölfjährige Sambo erzählt, dass er und seine beiden Freunde jetzt das dritte Mal die zweite Klasse besuchen. Um weiter zu kommen, müssten sie auf eine Privatschule gehen. Aber ihre Eltern können sich die Gebühren nicht leisten. "Ich weiß schon alles, was der Lehrer erklärt", sagt Sambo. "Aber ich komme lieber zur Schule als zu Hause zu bleiben. Ich möchte später mal Polizist werden."
Unterstützung vom Bezirksleiter
In der Distrikthauptstadt Ambovombe ist die UNICEF-Mitarbeiterin mit dem Bezirksleiter verabredet. Er kennt die Bildungsexpertin von früher, als er für Schulen verantwortlich war und UNICEF seine Arbeit unterstützte. "Seit ich den Bezirk leite, sind viele Dorfälteste und Bürgermeister zu mir gekommen und haben mich gebeten, mehr Schulen einzurichten. Mein größter Wunsch ist es, wieder mit UNICEF zusammenzuarbeiten. Ich schätze die Arbeitsweise Ihrer Organisation und habe sie übernommen. Wir schließen konkrete Vereinbarungen mit den Gemeinden, in denen jeder für die Bildung der Kinder bestimmte Aufgaben übernimmt. Wenn wir eine Aktion starten, schließen wir einen Vertrag mit der Gemeinde, und ich sage den Dorfvorstehern, wie wichtig es ist, dass jeder sich engagiert: Viele Kinder von damals besuchen heute weiterführende Schulen."
Das tut UNICEF
Mit Spenden aus der Kampagne "Schulen für Afrika" hilft UNICEF in Anosy und Androy, Kindern den Schulbesuch zu ermöglichen. UNICEF hilft, neue Schulen zu bauen und Wasser und Toiletten zu installieren, richtet kinderfreundliche Klassenräume mit Tischen, Stühlen und Tafeln ein, bildet neue Lehrer aus und stellt Schulmaterial zur Verfügung. So werden Tausende von Kindern erstmals zur Schule gehen und auch über die zweite Klasse hinaus weiterlernen können.
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Quelle: UNICEF



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