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Mali

Trinkwasser für Schulen

UNICEF/2009/Giacomo Pirozzi
Jeder Schüler hat von UNICEF einen Rucksack mit Füllern, Stiften, Linealen und weiterem Schulmaterial bekommen.

Adama Bamba ist gerade einmal zwölf Jahre alt - doch an seiner Schule ist er schon „Premierminister“. Er und sein „Kabinett“ sitzen in einem Klassenraum der Grundschule in Mougna im Distrikt Djenné und erklären ihren „Aktionsplan“. Adama hört interessiert zu, sieht jedem direkt in die Augen und wählt seine Worte sorgfältig. Mit sanften Handbewegungen unterstreicht er, was ihm wichtig ist. Seine Schule ist mit Unterstützung von UNICEF „kinderfreundlich“ gestaltet worden. Die Schüler bestimmen mit, wie sie geführt wird. Darauf achtet die Schülerregierung, die aus fünf Jungen und vier Mädchen besteht. Sie arbeitet eng mit dem Schulbeirat zusammen, in dem der Direktor und führende Gemeindemitgliedern sitzen.

 „Es gibt Probleme, die Schüler sogar viel besser lösen können als der Beirat“, sagt Schuldirektor Salif Koné. „Zum Beispiel kosteten Besuche im Gesundheitszentrum früher Geld. Die Schüler haben ausgehandelt, dass Kinder heute umsonst behandelt werden.“

Heute besuchen in Mali mehr Kinder eine Schule als je zuvor. 70,7 Prozent der Mädchen und 89,5 Prozent der Jungen werden eingeschult. Aber es bleibt eine große Herausforderung, noch mehr Mädchen in die Schule zu bringen und die Unterrichtsqualität zu verbessern. Dazu müssen die Schulen „kinderfreundlich“ werden und die Bedürfnisse der Schüler berücksichtigen. Sie sollen die Kinder ermutigen, besonders jene, die in Gefahr sind, vorzeitig abzubrechen. Das sind vor allem Mädchen, sehr arme oder behinderte Kinder.

An der Grundschule in Mougna ist es gelungen, die Mädchen in der Schule zu halten. Der Farmer Nea Plea, der im Schulbeirat sitzt, erklärt, warum: „Wenn eine Schülerin fehlt, gehe ich zu ihr nach Hause. Ich finde heraus, warum sie nicht da ist, und versuche, sie in die Schule zurückzubringen.“ Auch einfache Verbesserungen wie getrennte Toiletten für Jungen und Mädchen tragen dazu bei, dass die Mädchen sich in der Schule wohl fühlen. „Früher hatten wir gemeinsame Latrinen“, sagt Adama. „Jetzt sind die Latrinen der Mädchen etwas weiter weg vom Schulgebäude, weil die Mädchen ihre Privatsphäre brauchen.“

Jede Klasse hat ihre eigene Seife und ihr Waschbecken, damit sich alle die Hände waschen können. Die Schüler sind auch verantwortlich dafür, dass ihre Schule sauber ist. „Jeden Freitag um 17 Uhr putzen alle die Schule, auch die Toiletten“, sagt Adamo.

Die zehnjährige Safoura Sao ist „Anti-Diskrimierungs-Ministerin“. Sie achtet besonders darauf, wie die Jungen mit den Mädchen umgehen. „Wenn ein Junge ein Mädchen schlägt, kommt es zu mir. Ich melde die Sache dem Schulbeirat, und dann werden die Eltern des Jungen informiert. Ich bin selbst geschlagen worden, bevor wir dieses System eingerichtet haben. Damals ist der Junge nicht gemeldet worden.“

Ganz oben auf der Wunschliste der Schüler-Regierung steht die Wiedereinführung einer Schulspeisung. Sie ist für viele der Kinder sehr wichtig, weil sie aus armen Familien kommen. Mit Hilfe von UNICEF haben die Eltern eine Kantine gebaut. Das Essen wurde zunächst vom Welternährungsprogramm gestiftet, in der Hoffnung, dass später die Gemeinde dazu beiträgt. Aber die Gemeinde konnte die Kosten nicht tragen, jetzt gibt es kein Schulessen mehr. „Wenn wir an der Schule Essen austeilen könnten, hätten wir viel mehr Schüler, etwa 500, schätze ich“, sagt Direktor Koné. Da stimmt Adama sofort ein. „Ich wohne in der Nähe und kann mittags nach Hause gehen. Aber viele Kinder können das nicht, und die bekommen dann den ganzen Tag nichts zu essen.“

Armut beeinflusst die Bildungschancen der Kinder in vielerlei Hinsicht. Manche Eltern haben kein Geld, um Stifte und Hefte zu kaufen. Deshalb hat jeder Schüler an der Grundschule in Mougna von UNICEF einen blauen Rucksack mit Stiften, Füllern, Linealen und anderen Dingen bekommen. „Die Rucksäcke motivieren die Kinder“, sagt Direktor Koné. „Alle gehen sehr sorgfältig damit um.“

196 Mädchen und 208 Jungen gehen zurzeit in die Grundschule von Mougna. Ein besonderes Anliegen der Schule ist es, behinderten Kindern die Teilnahme am Unterricht zu ermöglichen. In einem Kurs von UNICEF haben Mitglieder des Schulbeirats gelernt, wie man Schüler mit Handicap erfolgreich integrieren kann. Souleyman Traore, Mitglied der Schulbehörde in Mougna, hat so ein Lehrer-Training geleitet. Er sagt, dass sich dadurch in der Region viel verändert hat. In der Grundschule von Mougna konnten drei Kinder mit unterschiedlichen Behinderungen erfolgreich integriert werden. „Die Lehrer haben gelernt, sie auf andere Weise zu beurteilen, ohne klassische Prüfungen zu machen. Sie besuchen die Kinder auch regelmäßig zu Hause, vor allem, wenn sie in der Schule fehlen sollten.“

Der zwölfjährige Diakaridia ist eines dieser drei Kinder. Er ist geistig behindert, nachdem er vor vier Jahren an Malaria erkrankte. Die Schule hält engen Kontakt mit seinem Vater. Daouda Konda hatte sich immer gewünscht, dass sein Sohn Unterricht bekommt und lernen kann. „Auch wenn er nicht so ist wie die anderen, kann er vieles begreifen“, sagt er. Diakaridia lächelt schüchtern. Er braucht etwas Ermunterung, bevor er spricht. „Ich lerne gern. Denn ich möchte einmal dasselbe machen wie mein Vater“, sagt er dann. „Er wechselt die Batterien in den Autos.“

Die Schülerregierung sorgt dafür, dass niemand Mitschüler mit Behinderung beleidigt, ausschließt oder angreift. „Sie sollen sich aufgehoben fühlen in unserer Schule, denn sie sind ein Teil unserer Gemeinschaft“ sagt Adama. Und welche Träume hat der „Premierminister“ für sich ganz persönlich? Adama antwortet, ohne eine Sekunde zu zögern: „Nach meinen Erfahrungen als Premierminister bin ich mir ganz sicher: Ich möchte später Lehrer werden.“

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12,71 Millionen Menschen leben in Mali, nur 23 Prozent der Erwachsenen können lesen und schreiben. 793.000 Kinder im Grundschulalter gehen nicht zur Schule.

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