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Niger

Ein Tag im Leben von Tanalher

Die elfjährige Tanalher geht gern zur Schule, sie will selbst einmal Lehrerin werden

Azamalane ist ein kleines Dorf mit rund 600 Einwohnern und liegt im Norden Nigers. Hier lebt Tanalher. Die Elfjährige besucht die fünfte Klasse, das letzte Jahr der Grundschule.

Tanalhers Tag beginnt morgens um 7 Uhr mit dem Gebet. Zum Frühstücken ist keine Zeit. Denn Tanalher macht sich auf den Weg zur Schule, die nicht weit von der Hütte der Familie entfernt liegt.

Die Schule hat zwei Räume und ist eine Schule wie jede andere im Norden Nigers. Mit einem großen Unterschied: Mehr Mädchen besuchen hier den Unterricht als Jungen. Das ist ungewöhnlich, denn meist sind die Jungen in der Überzahl. Nur vier von zehn Mädchen in Niger gehen zur Grundschule.

Vor noch nicht langer Zeit war die Dorfgemeinschaft nicht sehr begeistert von der Idee, auch Mädchen in die Schule zu schicken. „Viele waren überzeugt, dass aus gebildeten
Mädchen aufsässige Frauen werden und dass Mädchen, die zur Schule gehen, ihrem Ehemann nicht gehorchen“, sagt Atti Ali, Tanalhers Mutter. Mit einem breit angelegten Bildungsprogramm, Unterstützung für die Schulen und Aufklärung konnte UNICEF diese Einstellungen vertreiben helfen.

Tanalhers Lieblingsfach ist Geschichte. Sie interessiert sich sehr für die Vergangenheit ihres Landes, das erst 1960 unabhängig wurde. Aber das Lesen fällt ihr schwer. Sie kann die Wörter richtig aussprechen. Doch wenn sie laut vorliest, versteht sie oft die Bedeutung nicht. Die Kinder werden in der offiziellen Landessprache Französisch unterrichtet. Aber in Azamalane sprechen die meisten ihre eigene Sprache.

Von 12 bis 15.30 Uhr haben die Schüler „Pause“, und die ist für die Elfjährige noch anstrengender als das Lesenlernen. Wenn die Sonne am höchsten steht, muss sie zum Brunnen gehen und Wasser für ihre Familie holen. Bis zu siebenmal trägt sie das Wasser in 10- oder 20-Liter-Kanistern auf ihrem Kopf. Auch wenn der Brunnen nicht weit entfernt ist, tut ihr der Kopf weh. Wenigstens kann sie beim Wasserholen Freunde treffen. „Wenn man in der Schlange für die Wasserpumpe anstehen muss, kann man beim Warten auch ein bisschen Spaß haben“, meint Tanalher.

Wenn sie zur Hütte ihrer Familie zurückkommt, isst sie schnell etwas. Dann geht es direkt weiter zum Feuerholzsammeln. Eine Arbeit, die sie noch mühsamer findet als das Wasserholen. Denn in der trockenen Gegend muss sie oft sehr weit laufen, um geeignetes Feuerholz zu finden.

Tanalhers Mutter hat nie eine Schule besucht und wünscht sich deshalb für ihre Tochter, dass sie viel lernt und weit kommt im Leben. „Das Allerwichtigste ist, dass man lernt, sich gut auszudrücken, dass man lesen und schreiben kann“, sagt sie.
Ihre Tochter weiß schon genau, wie ihre Zukunft aussehen soll. Sie will Lehrerin werden. Deshalb geht sie jeden Abend noch einmal alles durch, was sie gelernt hat. Denn sie muss die Abschlussprüfung bestehen, um auf eine weiterführende Schule gehen zu können. Nach dem Lernen hilft sie ihrer Mutter und ihrer Schwester noch, Matten aus Palmblättern zu flechten. Gegen 22 Uhr fällt sie müde ins Bett und schläft – bis zum nächsten Schultag.

Quelle: UNICEF

Fotograf: UNICEF/Giacomo Pirozzi

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In Niger gehen rund eine Million Kinder nicht zur Schule. UNICEF fördert eigene Bildungskurse für die Mütter. Sie achten darauf, dass die Kinder zur Schule kommen. 

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Daten und Fakten

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14,66 Millionen Menschen leben in Niger, nur 30 Prozent aller Erwachsenen können lesen und schreiben. Nur 53,5 Prozent aller Kinder werden eingeschult.

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