Ruanda
Mukandayisenga ist acht Jahre alt und gerade eingeschult worden. Sie besucht die Kigeyo Grundschule im Osten Ruandas, nahe der Provinzhauptstadt Giseny. Stolz zeigt die Kleine ihre Schuluniform: In ihrem blauen Kleid unterscheidet sie sich zumindest äußerlich nicht von den anderen 1.100 Kindern an ihrer Schule. Doch nach dem Unterricht beginnt für sie gleich wieder der Ernst des Lebens.
Während die meisten ihrer Klassenkameraden zu ihren Eltern heimkehren, hat Mukandayisenga nur ihre drei Geschwister, die für sie sorgen: den 12-jährigen Manessé, die 17-jährige Niyiramana und den 23 Jahre alten Emanuel. Nach dem Tod ihrer Eltern ist die kleine Familie ganz auf sich gestellt. Ihr Zuhause ist eine baufällige Lehmhütte auf einer winzigen Parzelle in der Nähe des Dorfes. Emanuel und Manessé bauen dort Kartoffeln und Gemüse an. Doch in 2.000 Meter Höhe wirft der ausgelaugte Boden kaum genug für den vierköpfigen Kinderhaushalt ab.
Schule – etwas Besonderes
„Ich weiß nie, ob wir genug zu essen haben werden“, sagt Emanuel, der Älteste, mit ernstem Blick. „In unserer Hütte regnet es durch. Und niemand hilft uns, wenn einer von uns krank wird.“ Ab und zu verdient er in der Küche einer nahe gelegenen Pfarrei ein paar Francs. Doch es reicht vorn und hinten nicht. Weil Emanuel nie Lesen und Schreiben gelernt hat, findet er keine bessere Arbeit. Die 17-jährige Schwester schaffte es nur drei Jahre lang unregelmäßig zum Unterricht. Und auch der 12-jährige Manessé hat die Schule schon zum zweiten Mal abgebrochen. Die Geschwister hoffen jetzt, dass wenigstens Mukandayisenga durchhält, das Küken der Familie. „Wenn ich aus der Schule komme, helfe ich meiner Schwester, Wasser und Holz zu holen. Dann wasche und putze ich das Gemüse“, sagt Mukandayisenga. „Das ist alles, was ich machen kann.“
Schritte aus der Isolation
Von den Nachbarn erhalten die Kinder nur wenig Unterstützung. Sie sind Außenseiter. Seit dem Völkermord von 1994 kämpfen in Ruanda viele Menschen nur noch um ihr eigenes Überleben. Über 100.000 Kinder schlagen sich nach Schätzungen von UNICEF in Kinderhaushalten allein durch. Die Spenden der Aktion „Schulen für Afrika“ helfen, die Waisen in die Schule zu bringen und ihre Lebenssituation zu verbessern. So entsteht in Kigeyo gerade ein neues Schulgebäude, das auch als Trainingszentrum für die Lehrer der umliegenden Schulen dient. Sie lernen hier beispielsweise, Kinder- und Jugendclubs an den Schulen mit zu organisieren. Hier unterstützen die Heranwachsenden sich gegenseitig und versorgen zum Beispiel bedürftige Haushalte mit Gemüse aus dem Schulgarten. Mit Unterstützung von UNICEF werden auch Förderklassen für ehemalige Schulabbrecher eingerichtet. So können Kinder wie Manessé und Emanuel vielleicht doch noch Lesen, Schreiben und Rechnen lernen – oder handwerkliche Fähigkeiten erwerben, um ihr Einkommen zu verbessern.
Quelle: UNICEF
Und wie geht Mukandayisenga Geschichte weiter?
Die Journalistin Anne-Kristin Peter hat Mukandayisenga 2010 in Ruanda wiedergetroffen. Lesen Sie hier ihren Bericht.
Weiterempfehlen







