Südafrika - Gemeinsam gegen Hoffnungslosigkeit und Gewalt
Die H. Mantshinga Schule liegt in Paulpietersburg in KwaZulu-Natal – eine der am meisten benachteiligten Regionen Südafrikas. Armut und Arbeitslosigkeit prägen hier den Alltag vieler Kinder. Die HIV-Rate ist hoch, Alkoholismus und Drogenmissbrauch gerade unter Jugendlichen keine Seltenheit. Die H. Mantshinga Schule stellt sich diesen Herausforderungen –- gemeinsam mit UNICEF.
In den „kinderfreundlichen Schulen“ lernen Kinder, respektvoll miteinander umzugehen, sich gegenseitig zuzuhören und sich zu helfen
UNICEF hat geholfen, die Schule mit zusätzlichen Klassenräumen zu versorgen, und einen gemeinsamen Prozess zur Lösung drängender Probleme angestoßen. In der Gesamtschule werden heute rund 1.400 Schüler von der ersten bis zur zwölften Klasse unterrichtet. Schulleiter Zulu und die Bezirksleiterin Frau Mbatha sind überzeugt: Jeder kann etwas verändern. Die H. Mantshinga Schule ist ein Beweis dafür, dass man trotz widriger Umstände viel erreichen kann – durch enge Zusammenarbeit zwischen Schule und Gemeinde und mit etwas materieller Unterstützung.
Der Schlüssel zum Erfolg ist die Partnerschaft von Eltern, Schülern, der Gemeinde und der Regierung – unterstützt von UNICEF. Was Schüler und Lehrer in Workshops über die Idee der "kinderfreundlichen Schule" gelernt haben, haben sie sich zu Herzen genommen. Und sie haben die drängenden Probleme sofort angepackt. In diesem Jahr stehen Zuspätkommen und Drogenmissbrauch im Mittelpunkt.
Die Schüler haben selbst Verhaltensregeln entwickelt und gestalten das Schulleben aktiv mit. Das Vertrauen zahlt sich aus: Überwiegend herrscht eine disziplinierte Atmosphäre. Die Schüler sorgen dafür, dass Gebäude und Schulgelände sauber sind. Sorgfältig wird darauf geachtet, dass alle Klassenräume und auch das Tor am Ende des Tages abgeschlossen sind. Die Gemeinde wacht darüber, dass es auch in den Ferien keine Fälle von Vandalismus und Diebstahl gibt und Lehrer und Schüler sich sicher fühlen.
Egal wen man in der H. Mantshinga Schule trifft: Hier ist jeder stolz auf das Erreichte. Schüler und Lehrer gehen respektvoll miteinander um. Die Lehrer fördern das Bewusstsein, dass es für alle Probleme eine Lösung gibt. Und es gilt die Devise: Es wird so lange erklärt, bis der Letzte es verstanden hat. Das hat Erfolg: Alle Schulabgänger haben ihre Prüfungen bestanden, und es gibt eine Reihe von Auszeichnungen. Schuldirektor Zulu begründet das damit, dass Lehrer, Eltern und Schüler hoch motiviert sind.
Mister Zulu, der Schulleiter, ist in den Augen seiner Schüler streng, aber gerecht. Sie nennen ihn "den Besten der Besten". "Wenn jemand von außerhalb zu spät kommt, weil der Bus zu spät gefahren ist, wird ihm das nicht angelastet", sagt ein Schüler. "Mister Zulu hat dafür Verständnis und spricht mit dem Busunternehmen. Wenn ein Schüler aus der Nachbarschaft zu spät kommt, hat er allerdings schlechte Karten."
Probleme mit der Disziplin werden gemeinsam mit dem Schülerrat und Eltern besprochen. 2001 entschied die Schule gemeinsam mit der Gemeinde, die Prügelstrafe abzuschaffen – in Südafrika ist sie an vielen Schulen noch Alltag. Kleinere Vergehen müssen die Schüler stattdessen beispielsweise mit Gartenarbeit wieder gutmachen.
Prävention wird großgeschrieben: So gibt es einen sehr aktiven Mädchenclub. Rund 100 Mädchen setzen sich hier mit Gedichten, Liedern und Spielen mit allem auseinander, was die Schule und die Kinder betrifft. Sie helfen ihren Altersgenossen bei Problemen und übernehmen im Schulbetrieb kleinere Aufgaben.
Eines bereitet dem Schulleiter jedoch noch große Sorgen: Viele Kinder kommen morgens hungrig zur Schule. Eine Kantine gibt es noch nicht, deshalb haben die Erzieher begonnen zu sammeln, um die Kinder mit Suppe und Brot zu versorgen. Aber das darf keine Dauerlösung sein: Alle hoffen, dass die Behörde bald Schulspeisungen einführt. Der Gemüsegarten, auch ein Projekt der Mädchengruppe, hilft ein bisschen. Für Waisen und Kinder aus sehr armen Familien ist das geerntete Gemüse eine wichtige Unterstützung. Die Mädchen unterstützen sie auch mit Kleidung – fast alle Clubmitglieder wissen aus eigener Erfahrung, wie schwer der Alltag für Kinder in der Region sein kann.
Lehrer und Mitglieder der Mädchenclubs helfen auch, in jeder Klassenstufe Waisen und andere besonders verletzliche Kinder zu registrieren und die Namen an die Sozialbehörden weiterzuleiten. So können sie finanzielle Unterstützung bekommen. "Aber manche Kinder wollen sich nicht outen", erzählt ein Mädchen. Die Namen zu sammeln ist jedes Jahr wieder frustrierend und zeitraubend, weil die Behörden die nötigen Geburtsurkunden und Ausweise nicht schnell genug bereitstellen. Oft müssen zusätzliche Unterlagen besorgt werden, um die Notlage einer Familie zu belegen. So fallen immer wieder Schüler, die dringend Unterstützung brauchten, durchs Raster.
Doch trotz aller Schwierigkeiten: Die H. Mantshenga Schule gilt in der Region als leuchtendes Vorbild. Und alle an der Schule sind überzeugt, dass die Herausforderungen zu meistern sind – und dass auch der neue Abschlussjahrgang mit erfolgreich bestandenen Prüfungen einen guten Start ins weitere Leben haben wird.
Quelle: UNICEF




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