Reisetagebuch von Helga Kuhn - 28. April 2010
UNICEF-Mitarbeiterin Helga Kuhn schreibt ihr Reisetagebuch aus Südafrika, Johannesburg - Soweto.
Reisebericht der UNICEF- Mitarbeiterin Helga Kuhn. Sie besuchte "Schulen für Afrika"-Projekte in Südafrika.
Girls Education Movement
Zanele ist 17 und Präsidentin des GEM-Club. GEM steht für Girls Education Movement. Aber auch Jungen machen im Club mit. "Das ist wichtig, denn nur wenn Jungen einsehen, dass Mädchen gleiche Rechte haben, kann man etwas erreichen", betont Zanele.
Gemeinsamkeit und "Ubuntu" – zu deutsch etwa Menschlichkeit oder Menschenwürde - diese Werte sind den Mädchen und Jungen der Phefeni Senior Secondary School in Soweto besonders wichtig. "Sie sind die Grundlage für unseren Einsatz gegen die Ausbreitung von HIV, gegen sexuelle Gewalt und ungewollte Teenagerschwangerschaften", erklärt Zanele der Besuchergruppe aus Deutschland in ihrem Begrüßungsvortrag. Den hält sie frei und spricht dabei ohne Umschweife lange tabuisierte Themen an.
UNICEF-Botschafterin Eva Padberg ist beeindruckt und diskutiert lange mit den 23 jungen Clubmitgliedern. Die erklären dem deutschen Top-Model zum Beispiel, was sie tun, um Jugendliche davon abzuhalten, Drogen zu nehmen. "Oft haben die Eltern hier im Township tagsüber kaum Zeit, sich um die Kinder zu kümmern, weil sie früh morgens zur Arbeit fahren und erst spät wieder nach Hause kommen. Wir sprechen mit den Jugendlichen, die auf der Straße herumhängen und organisieren Veranstaltungen – Sport, Literatur und Diskussionen über alle Themen, die für Jugendliche wichtig sind. So kann man sie dazu bringen etwas Sinnvolles zu tun", sagt die 16-jährige Aisha, die sich seit einem Jahr im GEM-Club engagiert und stolz darauf ist.
Phefeni School
Engagement für bessere und gerechte Lebensverhältnisse hat in der Phefeni Schule eine lange Tradition. Nelson Mandela und Desmond Tutu wohnten früher nur wenige Schritte entfernt in derselben Straße. 1976 gehörten Schüler und Lehrer von Phefeni zu den ersten, die sich gegen die rassistische Schulpolitik des Apartheitsystems wehrten.
Heute betont der 19-jährige Bennett, dass es wichtig ist, durch Zuhören und Dialog als Nation zusammenwachsen. "Man muss wirklich herausfinden wollen, was der Andere denkt und warum er so denkt. Nur so kommt man sich näher", sagt der Schüler, der auch im Jugendclub mitmacht.
UNICEF unterstützt die Einführung der Clubs. "Sie sind ein wichtiger Beitrag um Schulen kinderfreundlicher zu machen", erläutert UNICEF-Mitarbeiterin Nokuthula Prusent. "Ursprünglich wurde die Idee des Girls Education Movement 2001 in Uganda entwickelt. Die Jugendclubs haben dort dazu beigetragen, dass Mädchen deutlich bessere Chancen haben, die Schule abzuschließen. Und innerhalb weniger Jahre haben viele afrikanische Länder das Konzept übernommen."
In Südafrika gibt es sie schon an über 10.000 Schulen landesweit. In den Clubs setzen sich die Schüler erfolgreich dafür ein, dass Schulen bessere Lernbedingungen für alle bieten. Da geht es auch um saubere Klassenzimmer, die Abschaffung von körperlichen Strafen und die Einrichtung von Computerräumen und Sportplätzen.
Aisha von der Phefini Schule spielt gerne Basketball mit ihren Freunden vom Jugendclub. Was ihr wichtig ist im Leben, möchten die deutschen Besucher wissen. Die Schule beenden und weiter studieren ist die Antwort. Ihr Traum aber ist es, später viel zu reisen, zum Beispiel nach Japan oder Deutschland. Für Fußball interessiert sie sich nicht besonders. Ihre Freundinnen sehen das aber anders und zählen gleich ihre Lieblingsspieler im südafrikanischen Nationalteam Bafana Bafana auf. Die Fußball-WM ist eine tolle Chance für unser Land, sind sie überzeugt. Und Aisha, die später einmal in der Tourismusbranche arbeiten möchte, ergänzt: "Unser Land ist schön und freundlich für Besucher".
Eva Padberg
UNICEF-Botschafterin Eva Padberg stimmt begeistert zu: "Ich bin überwältigt von den Jugendlichen in dem GEM Projekt, die haben ganz tolle Ideen und sind mit sehr viel Enthusiasmus dabei", sagt sie, als wir die Schule weit nach Schulschluss und viel später als ursprünglich vorgesehen verlassen. "Ich habe ganz begeisterte junge Menschen kennen gelernt, die sich nicht nur dafür einsetzen, dass ihnen besser geht, sondern auch für ihre Umwelt und ihren Mitmenschen. Es lohnt sich tausendprozentig dieses Projekt zu unterstützen, weil man merkt, die jungen Menschen wissen, wo ihre Probleme liegen, aber sie brauchen für ihr Engagement unsere Unterstützung".
Johannesburg, 27. April 2010
Klipkruisfontein - Freedom Day - Youth Development through Football




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