Regine Stachelhaus
Wer Kindern hilft, verändert die Welt
Regine Stachelhaus, Juristin und Top-Managerin, ist seit Januar 2009 Geschäftsführerin von UNICEF Deutschland. Sie gehört zu den wenigen Frauen, die es geschafft haben, die Führungsetagen zu erobern. Bevor Regine Stachelhaus zu UNICEF wechselte, leitete sie acht Jahre lang die Druckersparte von Hewlett Packard in Deutschland. Von der Spitze eines IT-Konzerns zur bekanntesten Organisation für Kinder ist ein ungewöhnlicher Schritt. Warum dieser Wechsel?
„UNICEF ist etwas Einmaliges. UNICEF hat Kriege angehalten, damit Kinder geimpft werden können. Das kann niemand anderes“, sagt Regine Stachelhaus. Der Einstieg bei UNICEF war für sie die Chance, mitzuhelfen, eine bessere Welt für Kinder zu schaffen, in einer Organisation, die für Kinder kämpft, egal wo und unter welchen Bedingungen. Das gibt Sinn, aber auch Druck: „Bei HP hatte ich Verantwortung über zwei Milliarden Euro Umsatz. Trotzdem spüre ich heute oft einen größeren Druck. Ich habe eine andere Währung im Hinterkopf: Zehn Euro sind 80 Polio-Impfungen. Bei einem Fehler wiegen die Folgen schwerer. Zwei Milliarden war viel Geld, aber das war sehr abstrakt. Jetzt geht es um Kinder, um ihre Gesundheit, ihre Zukunft - das ist viel wichtiger“, erklärt die UNICEF-Chefin.
Regine Stachelhaus steht nicht nur für erfolgreiches unternehmerisches Handeln, sondern auch immer schon für soziales Engagement. 1955 als Tochter des ehemaligen Oberbürgermeisters von Böblingen geboren, studierte die Schwäbin nach dem Abitur Jura in Tübingen. Der Eintritt als Syndikus-Anwältin bei Hewlett Packard 1984 war der Startschuss zu einer steilen Karriere, die auch nach der Geburt ihres Sohnes Moritz ungebremst nach oben führte. Stachelhaus schaffte es, Familie und Karriere zu vereinbaren, auch weil sich ihr Mann nach der Geburt ihres Sohnes entschloss, zu Hause zu bleiben. Eine glückliche Konstellation, die selten ist. Deshalb engagierte sich Regine Stachelhaus immer dafür, Frauen den Weg in Führungspositionen zu ebnen. Und dies auch ganz praktisch: Sie gründete bei HP eine Kindertagesstätte für Babys und Kleinkinder und rief ein Mentoring-Programm ins Leben, in dem sich Frauen darüber austauschen können, wie sich Kinder und berufliche Verantwortung vereinbaren lassen. Ihre Auszeichnung als „Managerin des Jahres 2005“ würdigt zu einem guten Teil dieses soziale Engagement.
Regine Stachelhaus geht es um mehr als „Gutes tun“, sie will nachhaltig gestalten. Das passt zum Ansatz von UNICEF, konkrete Hilfe und nachhaltige Programme zu verbinden. Mit leuchtenden Augen erzählt sie von der kleinen Joana aus Angola, die durch die Aktion „Schulen für Afrika“ eine gute Schulbildung bekommt. „Ich habe auf dem morgendlichen Weg zur Schule ihre Begeisterung miterlebt.“ Dabei leistet UNICEF weit mehr als Steine für Klassenräume zu liefern oder Schulhefte. „Mit unserer Hilfe werden Lehrer ausgebildet, werden auf dem Schulhof Schatten spendende Bäume gepflanzt. Es werden Latrinen für die Mädchen eingerichtet, kurzum: diese Schule wird zu einem guten Ort für Kinder.“
Regine Stachelhaus möchte so viele Menschen wie möglich erreichen. Ihre Fähigkeit zuzuhören und Menschen aus unterschiedlichsten Bereichen zusammenzubringen, kommen ihr da zugute. Besonders am Herzen liegen ihr natürlich die vielen freiwilligen Helfer: „8.000 Ehrenamtliche stellen uns ihre Zeit und Arbeitskraft zu Verfügung. Die brauchen Motivation. Wer bei minus fünf Grad Grußkarten auf dem Weihnachtsmarkt verkauft, will wissen, ob ich selbst für die Idee stehe.“
Spenden zu sammeln ist in Zeiten der Finanzkrise keine leichte Aufgabe. Aber gerade jetzt muss die Aufmerksamkeit den ärmsten Kindern gelten. „Gerade in Zeiten der Finanzkrise, in denen sich auch bei uns viele Menschen Sorgen machen, müssen wir die Augen öffnen.“ Anlässlich des G8-Gipfels in Rom im Sommer 2009 forderte Regine Stachelhaus deshalb die Regierungen der Industriestaaten sowie der Schwellen- und Entwicklungsländer dazu auf, bei ihren Maßnahmen die ärmsten Familien im Blick zu behalten: „Bereits heute wissen viele arme Familien nicht mehr, wie sie ihre Kinder ernähren oder zur Schule schicken können. Die Kosten des Nichtstuns wären enorm – menschlich wie wirtschaftlich.“ Vor dem Hintergrund der globalen Krise ist es wichtiger denn je, dass UNICEF seine medizinischen und sozialen Programme erfüllen und weiter ausbauen kann.
Regine Stachelhaus vertraut darauf, dass die Menschen in Deutschland weiterhin so enorm hilfsbereit bleiben. „Über 165.000 Menschen haben es schon bewiesen. Sie unterstützen die Arbeit mit einem monatlichen Beitrag. Viele haben ihre monatliche Spende sogar um 20 Prozent erhöht.“ Der Kontakt zu Projekten in den Entwicklungsländern, die Erfolge und die Begegnungen mit den Menschen bestätigen Regine Stachelhaus, wie notwendig und wie wirksam die Arbeit von UNICEF ist. Und nicht zuletzt motiviert sie täglich neu die feste Überzeugung: „Wer Kindern hilft, verändert die Welt.“




